Antrag auf Anerkennung als Immaterielles Weltkulturerbe der Menschheit bei der UNESCO eingereicht

Deutschlands Flößer streben dem Immateriellen Kulturerbe entgegen
Flößerei als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit vorgeschlagen
UNESCO-Ausschuss entscheidet Ende 2022

„Mit großer Freude haben Deutschlands Flößerinnen und Flößer die Nachricht der Deutschen
UNESCO-Kommission aufgenommen, dass die Bundesrepublik gemeinsam mit Lettland,
Österreich, Polen, Spanien und Tschechien der UNESCO vorgeschlagen hat, die Flößerei für
die internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit zu nominieren“, so
Martin Spreng, 1. Vorsitzender der Deutschen Flößerei-Vereinigung.
Eine multinationale Arbeitsgruppe mit Vertretern von Flößervereinen, UNESCOKommissionen
und Kulturministerien aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Polen,
Lettland und Spanien arbeitete seit fast drei Jahren an der gemeinsamen Nominierung. In den
Unterlagen wurde nachgewiesen, wie das immaterielle Kulturerbe Flößerei als lebendiges
Handwerk weiterentwickelt und an die nächsten Generationen weitergegeben werden soll.
Erbracht wurden Nachweise und Erläuterungen, was die Flößer-Vereine in den einzelnen
Ländern tun werden, um die Flößerei öffentlich bekannt zu machen, das traditionelle Handwerk
als Kulturerbe zu schützen und vor Ort identitätsstiftend in den Regionen zu wirken.
„Ich freue mich, dass die UNESCO nun bald über die besondere Bedeutung der Flößerei
entscheiden wird“, erklärt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria
Böhmer. „Dieses jahrhundertealte Handwerk hat unsere Gesellschaft geprägt. In ihm spiegelt
sich unsere Wirtschaftsgeschichte. Denn ohne die Versorgung mit Floßholz wäre die
Entwicklung vieler europäischer Städte nicht denkbar gewesen“, erläutert Böhmer.
Ein altes Handwerk wird lebendig gehalten
„Die Flößerei ist eine alte Handwerkskunst, die jahrhundertelang den Transport von Holz und
Gütern auf dem Wasserweg ermöglichte. Seine Hochkonjunktur erlebte das Handwerk in
Deutschland und anderen europäischen Ländern zwischen dem Mittelalter und dem 20.
Jahrhundert. In diesem Zeitraum war Holz vor allem als Brenn- und Baustoff gefragt. Geflößt
werden konnte auf nahezu allen Gewässern, auf kleinen Bächen ebenso wie auf großen
Flüssen“, gibt der 1. Vorsitzender der Deutschen Flößerei-Vereinigung, Martin Spreng, einen
Einblick in ein altes Handwerk, das die Flößer-Vereine in Deutschland und den angrenzenden
Ländern in ehrenamtlicher Arbeit engagiert lebendig halten.
Das Handwerk und die Arbeit der Flößer habe die Lebenswirklichkeit vieler Menschen geprägt
und prägte durch das »Teamwork« der Flößer den sozialen und gemeinschaftlichen
Zusammenhalt in den Flößergebieten. Zwar habe mit zunehmender Industrialisierung die
Flößerei als Transportmittel an Bedeutung verloren, so Martin Spreng. Jedoch hätten sich in
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wieder viele Interessierte zusammengefunden, um die
Kunst des Floßbaus und der Flößerei für heutige und kommende Generationen zu erhalten.
Heute zählt die Deutsche Flößerei-Vereinigung als Dachverband etwa 2.100 Flößerinnen und
Flößern, die in 26 Vereinen und Organisationen das alte Handwerk lebendig halten und
weitergeben. Auf Flößerfesten und Floßfahrten, in Schulen und Kindergärten informieren sie
über das kulturelle Erbe und die Bedeutung des Rohstoffs Holz in Vergangenheit und Zukunft.
Bei der Weitergabe des Wissens an die nächste Generation werden handwerkliche Fertigkeiten,
aber ebenso die Fachsprache der Flößer vermittelt. So wurde beispielsweise im März 2021 die
vierte Auflage des Fachwörterbuchs der Flößerei mit 1.100 Begriffen herausgegeben.
Die einst dominante Männerrolle in der Flößerei hat sich vor allem in den letzten Jahren
verändert, so dass heute die Mitwirkung in Vereinen für Menschen unabhängig von ihrem
Geschlecht offen ist. Immer mehr Mädchen und Jungen lernen in Workshops und Jugendcamps
das Flößen kennen. Immer mehr stehen auch Frauen den Flößervereinen vor.
Seit 2014 ist die Flößerei in das bundesweite Verzeichnis als Immaterielles Kulturerbe
eingetragen. Das ist zugleich Voraussetzung, um auf eine der internationalen Listen der
UNESCO geführt zu werden.

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